Raus an die Luft

Ein Spaziergang belebt die Sinne – nicht nur die vom Patienten sondern auch Deine. Es geht dabei nicht unbedingt darum, eine lange Wanderung zu unternehmen. Auch das Entdecken neuer Regionen muss nicht das Ziel eines Spaziergangs sein. Meist reicht es, eine bekannte Runde zu drehen, z.B. in den nahe gelegenen Park, durch die Wohnanlage oder einfach durchs Viertel.

Es kann einen dementen Menschen überfordern, wenn Du plötzlich zu ihm sagst: „Das Wetter ist schön. Wir sollten spazieren gehen.“ Besser Du bereitest ihn vor und suchst das Gespräch zum Beispiel: „Schau mal. Die Sonne scheint.“ Dann geht ihr zusammen ans Fenster und beobachtet das schöne Wetter. Wenn Du erst dann vorschlägst: „Wie wäre es mit einem Spaziergang?“  ist die Wahrscheinlichkeit viel höher, dass er auch spazieren möchte.

Um dem Patienten unterwegs bei der Orientierung zu helfen, kannst Du etwas vorausschauend wegweisen, z.B. „Lass uns heute mal dahinten zu dem großen Baum gehen“ oder „Wenn wir da vorn an der Kreuzung rechts gehen, können wir schauen ob …“.

Versuche den Spaziergang ruhig zu gestalten, es geht nicht darum so schnell wie möglich voran zu kommen. Wer langsam geht, kann auch versuchen, im gleichen Rhythmus zu laufen wie der Betroffene. Es ist schön, wenn genug Zeit bleibt, die kleinen Wunder der Natur zu entdecken – also die bunten Blumen im Balkonkasten der Nachbarn, Kastanien oder Tannenzapfen, schön verfärbte Blätter im Herbst oder seltsam geformte Steine. Vielleicht kann man auch ein paar „Wunder“ sammeln und mit nach Hause nehmen (natürlich nicht die Blumen der Nachbarin!).

Du kannst zu Hause auch eine Schale mit jahreszeitlich-wechselnden Dekorationen zusammenstellen. Dies kann als Motivation zum Spaziergang dienen, nach dem Motto: „Ich brauche ein wenig Moos, um die Schale zu dekorieren, wollen wir mal schauen, ob wir im Park etwas finden?“. So bekommen die gesammelten „kleinen Wunder“ eine nachhaltige, dekorative Nutzung.

Natürlich muss „Spazieren gehen“ nicht bedeuten, dass der Patient auch selbst läuft. Frische Luft, Natur und die „kleinen Wunder“ können auch Patienten genießen, die im Rollstuhl sitzen. Überlege Dir dann aber eine Runde mit möglichst wenig Stufen und Schrägen. Wenn es für Dich körperlich schwer ist, den Rollstuhl zu schieben, überleg doch mal, ob es vielleicht jemanden in der Nachbarschaft oder Familie gibt, den man dafür fragen kann? Es ist immer wieder überraschend, wie hilfsbereit die Menschen sind.

3